Aktive Fonds vs. ETFs: Der Schweizer Leitfaden

    Was aktive Fonds und passive ETFs unterscheidet, warum 81% der aktiven Schweizer Aktienfonds scheitern – und was das für dein Portfolio heisst.

    Lesezeit: ca. 12 Minuten · Zuletzt aktualisiert: März 2026

    Das Wichtigste in Kürze

    • Aktive Fonds versuchen, den Markt zu schlagen. ETFs bilden einfach einen Index wie den SPI oder MSCI World ab.
    • • Über 10 Jahre scheitern 81% der aktiven Schweizer Aktienfonds daran, ihren Benchmark zu schlagen (SPIVA-Scorecard).
    • • Meine eigene Analyse: Von 14 Schweizer Fonds schlugen nur 2 den passiven ETF über 10 Jahre.
    • • Der Hauptgrund: Gebühren. Aktive Fonds kosten über 1% pro Jahr, ETFs ab 0,10%. Über 30 Jahre ergibt das über CHF 170'000 Unterschied bei CHF 100'000 Investment.
    • • Für den Kern deines Portfolios sind günstige ETFs fast immer die bessere Wahl.

    1. Was ist der Unterschied zwischen aktiven Fonds und ETFs?

    Wenn du in Aktien investieren willst, ohne einzelne Titel auszuwählen, landest du bei Fonds. Und dort stehst du vor einer grundlegenden Entscheidung: aktiv gemanagt oder passiv als ETF?

    Aktive Fonds werden von Portfoliomanagern gesteuert. Ein Team von Analysten wählt gezielt Aktien aus und entscheidet laufend, was gekauft und verkauft wird. Das Ziel: mehr Rendite als der Markt.

    Passive ETFs (Exchange Traded Funds) verfolgen einen anderen Ansatz: Sie bilden einfach einen Index ab. Ein ETF auf den Schweizer SPI kauft automatisch alle rund 200 Unternehmen im Index. Kein Fondsmanager entscheidet – die Regeln des Index bestimmen, was im Fonds steckt.

    Aus Marketing-Sicht klingt der aktive Ansatz verlockend: Wer möchte nicht ins nächste Nvidia investieren, bevor es durch die Decke geht? Wer würde nicht gerne rechtzeitig aus Aktien aussteigen, bevor eine Rezession kommt?

    Das Problem: Was in der Theorie gut klingt, funktioniert in der Praxis fast nie. Die Daten für die Schweiz sind eindeutig – weiter unten zeige ich dir meine eigene Analyse.

    2. Wie aktive Fonds funktionieren

    Bei einem aktiven Fonds bezahlst du ein Team von Analysten und Portfoliomanagern dafür, die «besten» Aktien für dich auszuwählen. Die Strategien sind vielfältig:

    Stock Picking

    Der Fondsmanager analysiert Unternehmen und kauft jene, die er für unterbewertet hält. Bei Schweizer Fonds kann dies beispielsweise bedeuten, dass der Manager UBS- und Holcim-Aktien mit einer tieferen Gewichtung hält, als dies im Schweizer Aktienindex SPI der Fall ist. Dafür ist z. B. ABB und Swiss Life übergewichtet.

    Market Timing

    Manche Manager versuchen, vor einer Rezession in Cash zu gehen und danach wieder einzusteigen. Klingt einfach, ist aber extrem schwierig: Man muss nicht nur den Ausstieg richtig timen, sondern auch den Wiedereinstieg.

    Sektorrotation

    Je nach Wirtschaftslage werden Branchen über- oder untergewichtet. In der Rezession vielleicht defensive Werte wie Nestlé, im Boom zyklische wie ABB oder Holcim.

    All diese Aktivitäten kosten Geld: Analystenlöhne, Research-Abos, Handelskosten. Deshalb verlangen aktive Fonds über 1 Prozent pro Jahr an Gebühren (TER – Total Expense Ratio). Typisch sind 1,2 bis 1,8 Prozent.

    3. Wie passive ETFs funktionieren

    Ein passiver ETF macht das genaue Gegenteil: keine aktiven Entscheidungen, nur Indexabbildung.

    Der UBS ETF auf den SPI etwa kauft alle Schweizer Aktien im Swiss Performance Index, gewichtet nach Marktkapitalisierung. Macht Nestlé 15% des Index aus, macht es auch 15% des ETFs aus. Fällt ein Unternehmen aus dem Index, wird es automatisch verkauft. Kein Mensch muss eine Entscheidung treffen.

    Diese Einfachheit bringt konkrete Vorteile:

    1

    Extrem tiefe Kosten

    Ohne teures Research-Team kostet ein ETF nur 0,03 bis 0,25 Prozent pro Jahr. Den UBS ETF SPI gibt es für 0,10% – zehnmal günstiger als viele aktive Fonds.

    2

    Volle Transparenz

    Du weisst jederzeit genau, was im ETF steckt – nämlich exakt der Index.

    3

    Automatische Diversifikation

    Mit einem einzigen Produkt investierst du in Hunderte oder Tausende Unternehmen.

    Die bekanntesten ETF-Anbieter für Schweizer Anleger sind UBS, iShares (BlackRock), Vanguard, Swisscanto und Xtrackers. Mehr dazu in meinem ETF-Leitfaden.

    4. Meine Analyse: 14 Schweizer Aktienfonds im Test

    Weil die meisten Studien zum Thema den US-Markt untersuchen, wollte ich es für die Schweiz selbst überprüfen. Ich habe 14 zufällig ausgewählte aktive Schweizer Aktienfonds genommen – von Vontobel, Pictet, Raiffeisen, Lombard Odier, Migros Bank und anderen – und den Gesamtertrag über 10 Jahre (2016–2025) mit dem UBS ETF auf den SPI verglichen.

    Horizontales Balkendiagramm zeigt den Endwert einer Investition von 100 Franken nach 10 Jahren für 14 aktive Schweizer Aktienfonds und den passiven UBS ETF SPI sortiert nach Rendite
    Endwert von CHF 100 nach 10 Jahren – 14 aktive Fonds vs. UBS ETF SPI

    Das Resultat:

    CHF 203

    Endwert ETF (SPI)

    CHF 190

    Endwert aktive Fonds (ø)

    2 von 14

    schlugen den ETF (14%)

    CHF 160 – 237

    Spanne aktive Fonds

    Der passive Anleger konnte sein Investment mehr als verdoppeln. Aus 100 Franken wurden 203 Franken. Die aktiven Fonds schwankten zwischen 160 und 237 Franken. Im Schnitt erzielten sie knapp 190 Franken – 13 Franken weniger als der ETF. Nur 2 von 14 Fonds schlugen den ETF: eine Erfolgsquote von gerade mal 14 Prozent.

    Die SPIVA-Studie bestätigt es

    Meine Analyse ist kein Einzelfall. Die SPIVA-Scorecard von S&P Global untersucht systematisch, wie viele aktive Fonds ihren Benchmark schlagen. Für die Schweiz:

    ZeitraumAnteil aktiver Fonds, der scheitert
    1 Jahr~72%
    3 Jahre~77%
    10 Jahre~81%

    Quelle: SPIVA Europe Scorecard, Mid-Year 2025

    Je länger der Zeitraum, desto schlechter schneiden aktive Fonds ab. Nach 10 Jahren scheitern 4 von 5 daran, den Markt zu schlagen.

    Auch Forscher der Universität St. Gallen (Ammann und Steiner, 2009) haben 160 Schweizer Aktienfonds über 18 Jahre untersucht. Ergebnis: Aktive Fonds lagen im Schnitt 1,1 Prozentpunkte pro Jahr hinter passiven Alternativen.

    Wichtig: Diese Zahlen sind sogar noch schmeichelhaft. Fonds, die so schlecht liefen, dass sie geschlossen wurden, fallen aus der Statistik – ein Effekt, der als «Survivorship Bias» bekannt ist.

    5. Warum aktive Fonds schlechter abschneiden

    Der Grund für die Unterperformance ist überraschenderweise nicht mangelndes Können. Viele Fondsmanager sind hochintelligent und bestens ausgebildet. Das Problem ist struktureller Natur.

    Es ist Mathematik, nicht Meinung

    Alle Anleger zusammen sind der Markt. Vor Kosten muss die durchschnittliche Rendite aktiver Anleger daher genau der Marktrendite entsprechen. Nach Kosten liegt sie zwingend darunter. Das ist keine Theorie, sondern Arithmetik – der Nobelpreisträger William Sharpe bewies es 1991.

    Wen das etwas verwirrt, ein Beispiel: Ich glaube, UBS ist unterbewertet und kaufe 10 UBS-Aktien zu 100 Franken pro Aktie. Damit ich diese kaufen kann, muss es eine Person geben, die mir diese verkaufen will (und somit genau das Gegenteil glaubt wie ich). Nehmen wir an, die UBS-Aktien steigen auf 150 Franken. Nun habe ich 500 Franken vorwärts gemacht, der Verkäufer allerdings 500 Franken rückwärts. Mein Gewinn ist sein Verlust – im Schnitt ist die Rendite von aktivem Anlegen deswegen gleich hoch wie jene von passivem Investieren.

    Oder anders gesagt: Wären aktive Fonds gleich günstig wie ETFs, gäbe es keinen Renditeunterschied. Die Gebühren machen den Unterschied.

    Wie die Gebühren über die Jahre explodieren

    Ein aktiver Schweizer Aktienfonds kostet typischerweise 1,0 bis 1,5 Prozent pro Jahr (TER). Einen SPI-ETF gibt es für 0,10 Prozent. Das klingt nach wenig – aber schau, was passiert:

    Rechenbeispiel: CHF 100'000 investiert, 7% Bruttorendite

    NachETF (0,2% TER)Aktiver Fonds (1,5% TER)Differenz
    10 JahrenCHF 193'000CHF 171'000+CHF 22'000
    20 JahrenCHF 373'000CHF 292'000+CHF 81'000
    30 JahrenCHF 720'000CHF 498'000+CHF 222'000

    Gleiche Bruttorendite für beide. Die Differenz entsteht rein durch Kosten.

    In meinem Kostenrechner kannst du das mit deinen eigenen Zahlen durchspielen.

    6. Warum die Gewinner von heute nicht die von morgen sind

    Vielleicht denkst du jetzt: «Dann investiere ich halt in den besten Fonds. In meiner Analyse hat zCapital den Markt deutlich geschlagen – also nehme ich den.»

    Das Problem: Du musst den Top-Fonds im Voraus identifizieren. Und das ist praktisch unmöglich.

    Die Persistence Scorecard von S&P Global untersucht genau das: Bleiben erfolgreiche Fonds erfolgreich? Das Ergebnis:

    Von den Aktienfonds, die Ende 2020 im besten Viertel standen, hat es kein einziger geschafft, über die folgenden vier Jahre im besten Viertel zu bleiben.

    Kurzfristige Outperformance ist oft Glück – nicht Können. Die akademische Forschung bestätigt das: Mark Carhart zeigte 1997, dass sich die Rendite von Top-Fonds fast vollständig durch den sogenannten Momentum-Effekt und durch Kosten erklären lässt. Und Eugene Fama (Nobelpreis 2013) und Kenneth French zeigten empirisch, dass aktive und passive Fonds vor Kosten dieselbe Rendite erwirtschaften und nach Kosten aktive Fonds im Schnitt schlechter dastehen.

    Dazu kommt: Viele schlechte Fonds werden einfach geschlossen. In den USA wurden über 20 Jahre fast zwei Drittel aller Aktienfonds liquidiert oder fusioniert – fast immer nach schlechter Performance. Wenn du nur die Überlebenden anschaust, bekommst du ein verzerrtes Bild.

    7. Vorteile und Nachteile im Überblick

    Aktive Fonds

    Vorteile

    • • Potenzial für Outperformance in Nischenmärkten
    • • Können spezifische Strategien umsetzen (z.B. Dividendenfokus)
    • • Können spezifische Risiken absichern
    • • Manchmal einziger Zugang zu bestimmten Märkten

    Nachteile

    • • Hohe Kosten (oft >1% TER pro Jahr)
    • • Über 80% scheitern langfristig am Benchmark
    • • Vergangene Performance sagt nichts über die Zukunft
    • • Oft intransparent

    Passive ETFs

    Vorteile

    • • Sehr tiefe Kosten (oft unter 0,2% TER)
    • • Automatisch breit diversifiziert
    • • Transparente, regelbasierte Strategie
    • • Kein Managerrisiko
    • • Wissenschaftlich belegt überlegen
    • • Einfach verständlich

    Nachteile

    • • Keine Chance, den Index zu übertreffen
    • • Keine aktive Absicherung in Krisen
    • • Keine Anpassung an persönliche Präferenzen
    • • Für manche Anleger «langweilig»

    8. Wann aktive Fonds trotzdem Sinn machen können

    Trotz der eindeutigen Datenlage gibt es Situationen, in denen ein aktiver Fonds seine Berechtigung haben kann:

    1

    Ineffiziente Märkte

    In Nischenmärkten wie Small Caps in Schwellenländern gibt es weniger Analysten und mehr Informationsasymmetrien. Dort haben gute Manager eher eine Chance, Mehrwert zu schaffen.

    2

    Absicherung gegen spezifische Risiken

    Wenn du dich gegen sehr spezifische Risiken absichern möchtest, die kein Standard-Index abbildet.

    Wichtig: Für den Kern deines Portfolios – Schweizer Aktien, globale Aktien, Obligationen – sind aktive Fonds in den allermeisten Fällen die teurere und schlechtere Wahl. Aktive Fonds können eine Ergänzung sein, nicht die Basis.

    🎬

    Video: Aktive Fonds vs. ETFs – Meine Analyse mit 14 Schweizer Fonds

    Alt-Text: YouTube-Video analysiert aktive Fonds versus passive ETFs mit Schweizer Daten und zeigt warum ETFs fuer die meisten Anleger die bessere Wahl sind

    9. Häufige Fragen

    Sind aktive Fonds komplett sinnlos?

    Nein, aber für die meisten Privatanleger sind ETFs die bessere Wahl. Aktive Fonds können in Nischenmärkten oder bei sehr spezifischen Anforderungen sinnvoll sein. Für den Kern des Portfolios – Schweizer oder globale Aktien – sind ETFs klar überlegen.

    Kann ich mit ETFs den Markt schlagen?

    Nein, per Definition nicht. Ein ETF bildet den Markt ab. Aber: Du schlägst damit automatisch rund 80% der aktiven Fondsmanager, weil deine Kosten viel tiefer sind. Nicht schlecht für eine «langweilige» Strategie.

    Welcher ETF ist der beste für Schweizer Anleger?

    Das ist sehr individuell. Grundsätzlich sind das Fondsdomizil (im Idealfall Schweiz für Schweiz-ETFs oder Irland für ETFs mit viel US-Anteil) und die TER wichtig. Alle Details in meinem ETF-Leitfaden.

    Was kosten ETF-Sparpläne in der Schweiz?

    Die Kosten bestehen aus der TER des ETFs plus den Transaktionsgebühren deines Brokers. Bei Anbietern wie Saxo, neon oder yuh gibt es günstige Konditionen. Alle Details in meinem ETF-Sparplan-Vergleich.

    Stimmt es, dass aktive Fonds in Krisen besser sind?

    Das ist ein verbreiteter Mythos. Die SPIVA-Studien zeigen: Auch in Crash-Jahren wie 2008 oder 2020 schafften es die meisten aktiven Fonds nicht, den Markt zu schlagen. Die wenigen, denen es gelang, konnten den Vorsprung danach typischerweise nicht halten.

    Was sagt die Wissenschaft?

    Die akademische Forschung ist eindeutig: Jensen (1968), Sharpe (1991), Carhart (1997) und Fama & French (2010) zeigen alle, dass aktive Fonds nach Kosten im Durchschnitt schlechter abschneiden. Einzelne Outperformer gibt es – aber sie im Voraus zu identifizieren, ist praktisch unmöglich.

    10. Fazit

    Die Datenlage ist eindeutig: Aktive Fonds kosten mehr und liefern für die grosse Mehrheit der Anleger weniger. Das liegt nicht an schlechten Fondsmanagern, sondern an der Mathematik: Nach Kosten ist es für die Mehrheit ein Verlustgeschäft.

    Meine Empfehlung für Schweizer Anleger:

    1

    ETFs als Kern

    Für den Hauptteil deines Portfolios sind günstige, breit diversifizierte ETFs die richtige Wahl.

    2

    Global diversifizieren

    Ein Welt-ETF wie der Vanguard FTSE All-World oder iShares MSCI World bieten internationale Diversifikation. Siehe auch meinen ETF-Leitfaden.

    3

    Kosten minimieren

    Je tiefer die TER, desto besser. Vergleiche auch die Broker-Gebühren in meinem Broker-Vergleich.

    4

    Aktive Fonds nur gezielt

    Wenn du eine Dividendenstrategie oder Nischenmarkt-Exposure willst, kann ein aktiver Fonds ergänzend sinnvoll sein – aber nie als Basis.

    In einem Satz: Mit einem günstigen ETF zahlst du einen Bruchteil der Gebühren und bist trotzdem besser dran als 80% der aktiven Fondsanleger. Am besten schnitten nämlich jene ab, die einfach Durchschnitt waren.

    Wenn du noch am Anfang stehst, empfehle ich dir meinen Einsteigerkurs. Dort erkläre ich Schritt für Schritt, wie du dein erstes ETF-Portfolio aufbaust.

    Weiterführende Inhalte

    Quellen

    • Sharpe, W.F. (1991): The Arithmetic of Active Management. Financial Analysts Journal.
    • Carhart, M.M. (1997): On Persistence in Mutual Fund Performance. Journal of Finance.
    • Fama, E.F. & French, K.R. (2010): Luck versus Skill in the Cross-Section of Mutual Fund Returns. Journal of Finance.
    • Ammann, M. & Steiner, M. (2009): The Performance of Actively and Passively Managed Swiss Equity Funds. Swiss Journal of Economics and Statistics.
    • S&P Dow Jones Indices: SPIVA Europe Scorecard, Mid-Year 2025.
    • S&P Dow Jones Indices: Persistence Scorecard, Year-End 2024.
    • Eigene Berechnungen basierend auf Daten von swissfunddata.ch (Januar 2016 – Dezember 2025).

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