Fremdwährungen im Portfolio

    Der US-Dollar hat im 2025 mehr als 10 Prozent gegenüber dem Schweizer Franken verloren. Für viele Anleger ist das schmerzhaft: Mit Nvidia, Microsoft, Apple & Co. im Portfolio steckt ein grosser Teil des Vermögens in amerikanischen Unternehmen. Eine Dollarabwertung schlägt damit direkt auf die Rendite durch.

    Das wirft zwei zentrale Fragen auf:

    1. Sollte man Fremdwährungsrisiken absichern (hedgen)?
    2. Und in welcher Währung sollte man ETFs überhaupt kaufen – USD oder CHF?

    Dieser Leitfaden gibt darauf Antworten.

    Teil 1: Soll man Fremdwährungsrisiken absichern?

    Wer sich die historische Entwicklung des Dollar-Franken-Wechselkurses anschaut, kommt oft sehr schnell zu einem von zwei Schlüssen:

    USD/CHF
    USD/CHF Wechselkurs seit 2003 (Quelle: TradingView)
    1. Ich investiere nur in Schweizer Aktien – dann habe ich kein Fremdwährungsproblem.
    2. Ich halte ein globales Portfolio, sichere aber alle Fremdwährungen vollständig ab.

    Beide Reaktionen sind verständlich. Beide haben aber ihre Tücken.

    Option 1: Nur in Schweizer Aktien investieren

    Auf den ersten Blick wirkt das elegant. Kein Dollar, kein Euro, kein Währungsrisiko.

    Das Problem ist die Diversifikation.

    Wer den Swiss Market Index (SMI) kauft, investiert fast die Hälfte seines Kapitals in drei Firmen: Nestlé, Novartis und Roche. Hauptsächlich Pharma also, dazu Banken und Versicherungen. Technologie fehlt fast vollständig. Auch der breitere Swiss Performance Index (SPI) verbessert die Situation nur marginal.

    Rückblickend hat diese Strategie gut funktioniert – nicht zuletzt dank des starken Frankens. Die entscheidende Frage ist aber: Will man sein zukünftiges Vermögen stark von wenigen Firmen und einem kleinen Wirtschaftsraum (der Schweiz) abhängig machen?

    Option 2: Global investieren und Fremdwährungen absichern

    Die zweite naheliegende Lösung: global diversifizieren, aber das Währungsrisiko eliminieren.

    Die Überlegung dahinter: Der Dollar (oder Euro) wertet langfristig ab – also lohnt sich eine Absicherung.

    Das klingt logisch, ist aber ein Trugschluss.

    Warum Hedging langfristig kein Renditewunder ist

    Eine Währungsabsicherung ist nicht gratis. Sie wird über Termingeschäfte umgesetzt und kostet langfristig ungefähr so viel, wie die Währung im Schnitt an Wert verliert.

    Vereinfacht gesagt:

    • Ohne Hedging verliere ich z. B. 2–3 % pro Jahr, weil sich die Währung abwertet.
    • Mit Hedging zahle ich ungefähr 2–3 % pro Jahr für die Absicherung.

    Ergebnis: ein Nullsummenspiel.

    In einzelnen Jahren kann Hedging sehr gut aussehen (z. B. bei starken Dollarverlusten). In anderen Jahren ist es klar nachteilig. Über lange Zeiträume gleichen sich diese Effekte aber weitgehend aus.

    Genau das sieht man auch in der Praxis: Vergleicht man einen abgesicherten MSCI-World-ETF mit einem ungehedgten, verlaufen die Renditen langfristig erstaunlich ähnlich – trotz teils grosser Unterschiede von Jahr zu Jahr.

    MSCI World CHF Hedged vs. in CHF
    MSCI World: CHF Hedged vs. in CHF – Performancevergleich seit Januar 2015

    Was heisst das für Aktienanleger?

    Für langfristige Investoren (20+ Jahre) gibt es keine zwingende Antwort:

    • Kein Hedging ist ok.
    • Vollständiges Hedging ist auch ok.
    • Ein Mittelweg (z. B. 50–75 % absichern) ist ebenso vertretbar.

    Wichtig ist weniger die «perfekte» Lösung, sondern eine Strategie, mit der man auch in schwierigen Phasen ruhig bleibt. Rein psychologisch ist ein Portfolio mit Hedging für viele vermutlich «angenehmer».

    Wann Hedging sehr sinnvoll ist

    Es gibt zwei klare Fälle, in denen Währungsabsicherung fast immer Sinn macht:

    1. Kurzer Anlagehorizont

    Wer das Geld in 3–5 Jahren braucht (z. B. für eine Weltreise), sollte starke Schwankungen vermeiden. Währungen können sich in kurzer Zeit um 10 % oder mehr bewegen – wie der Dollar im 2025 gezeigt hat.

    Hier geht es nicht um maximale Rendite, sondern um Planbarkeit und Sicherheit. Wer das Geld in wenigen Jahren benötigt, ist nicht auf 5% mehr Rendite aus, sondern möchte verhindern, dass das Portfolio auf einmal 20% weniger Wert hat.

    2. Obligationen im Portfolio

    Der Zweck von Obligationen im Portfolio ist ein geringeres Risiko (= geringe Schwankungen). Nimmt man dann zusätzlich ein grosses Währungsrisiko in Kauf, widerspricht das diesem Ziel.

    Faustregel: Obligationen in Fremdwährung für CHF-Anleger möglichst währungsgesichert (CHF Hedged) halten.

    Weiter zu Teil 2: ETFs in CHF oder USD kaufen?

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